Verinnerlichte Beschädigungen

 

Mündliche Mitteilung vom Betriebsratsobmann an Ersatzbetriebsrat.

 

Zusammengestellt und verallgemeinert.  

 

September 1981: Herr …

 

in der Personalabteilung wurde ihnen schon einmal mündlich mitgeteilt, daß wir im Auftrag unseres Firmenvorstandes von diesen Versetzungen nicht Abstand nehmen können.

 

Ich habe mich mit unserem Personalchef, der ja auch der Bürgermeister unserer Stadt ist und unserem AK-Sekretär abgesprochen. Wir haben gemeinsam einen Plan ausgearbeitet, wie wir 48 Arbeiter von unserem Standort der VEW – Werke ohne rechtliche Verletzung nach Kapfenberg in unser Schwesternwerk überstellen können. Konkret werden 48 Arbeiter, einen Tag vor den neuen Betriebsratswahlen, nach Kapfenberg überstellt. Rechtlich können sie in unserem Werk nicht mehr an den Betriebsratswahlen teilnehmen und in Kapfenberg erst bei den nächsten Betriebsratswahlen. Wir kennen ja die Namen dieser 48 Personen schon alle ich brauche sie hier nicht zu wiederholen. Wir, die sozialistische Fraktion im ÖGB haben jeden einzelnen, der eine andere Fraktionsliste des ÖGB unterstützt, das heißt für diese Listen unterschrieben hat, durch unsere, also die sozialistischen Betriebsräte, rechtzeitig darauf hingewiesen, dass wir für ihn nichts mehr tun können, da er ja nicht mehr zu uns Sozialisten gehört. Half das nichts, wurden sie zu mir(ihrem Betriebsratsobmann d. Verf.) einzeln vorgeladen und ich (Betriebsratsobmann d. Verf.) erklärte ihnen rechtzeitig, dass sie jetzt noch ihre Unterschrift für diese anderen Listen (ÖAAB und GLB d. Verf.) für die Betriebsratswahl 1981 zurückziehen könnten, indem sie sagen: „Wir haben nicht gewusst was wir da unterschreiben.“ Mit den ganz hartnäckigen Fällen wie Ersatzbetriebsräten anderer Fraktionen (ÖAAB und GLB d. Verf.))wurde rechtzeitig ein Gespräch, mit ihrem, der Abteilung zugehörigen sozialistischen Betriebsrat geführt. Es wurde ihnen gesagt, dass hier in diesem Betrieb nur sozialistische Betriebsräte Arbeitsplätze sichern können. Und sie könnten noch rechtzeitig zu unserer Fraktion (der sozialistischen Fraktion d. Verf.) überwechseln. 48 Unverbesserliche, deren Namen wir kennen, da sie ja auf den anderen Fraktionslisten für die Betriebsratswahlen unterschrieben haben und so jetzt auf unseren Anschlagtafeln aushängen, sind davon übergeblieben. Angesichts unserer schwierigen wirtschaftlichen Lage können wir jetzt von diesen Versetzungen nicht mehr Abstand halten. Wir wurden von unserem Firmenvorstand aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen diese Versetzungen durchzuziehen.

 

Warum diese 48 und keine anderen?

 

Um einen Machtverlust dieses Standortes durch Wählerverlust meiner Fraktion, die ja die Einheit nach außen repräsentiert, zu verhindern. Das heißt Absicherung meines Aufsichtsratspostens für den Standort, Sicherung meines Zentralbetriebsratspostens für diesen Standort, um im Konkurrenzkampf mit den anderen Standorten des VEW auf höherer Ebene gestärkt antreten zu können. Dabei möchte ich nur auf unseren Bürgermeister hinweisen, der ja aus der Arbeiterbewegung kommt, jetzt Personalchef ohne akademische Ausbildung ist. Das heißt, eine Schwächung der großen Gewerkschaftsfraktion würde auch diesen Posten gefährden. Das ja auch eine Schwächung im Kampf unseres Standortes in dieser wirtschaftlichen schwierigen Zeit gegenüber den anderen Standorte bedeuten würde. Ich mache das nicht gerne, ich meine die Versetzungen, aber man muss auch die großen Zusammenhänge verstehen. Machtverlust plus Informationsverlust ist Standortschwächung Die anderen Standorte von der VEW würden wir bei ihrem Kampf um die Sicherung von Abteilungen bei ihren Standortabsicherungen gegenüber des Vorstandes der VEW nur in ihrer Macht stärken, wenn wir, die sozialistische Fraktion, in unserem Standort der VEW geschwächt aus der nächsten Betriebsratswahl herausgehen. Wir brauchen keine Meinungsvielfalt, wir brauchen starke Funktionäre, die einheitlich auftreten können. Eine Fraktion von geschlossenen Gewerkschaftlern, die eine starke Stimme hat erreicht da vielmehr als ein bunter Haufen von Meinungsvielfalt. Es geht um die Sicherung der Arbeitsplätze in dieser Region. Und letztlich: wenn schon Versetzungen angeordnet werden, dann werden die Angehörigen der sozialistischen Fraktion, von der ja ich ihr Betriebsratsobmann bin, die letzten sein, die von hier versetzt werden.

 

Der AK-Sekretär von Mürzzuschlag hat, wie schon Gesagt, die rechtliche Seite dieser Versetzungen in unser Schwesternwerk, das zirka.48 Kilometer von unserem Werk entfernt, also nicht so weit weg ist, ausgearbeitet. Der Personalchef hat nur deshalb 48 Arbeiter versetzt weil es vom Firmenvorstand so beschlossen wurde, und ich (der Betriebsratsobmann d. Verf.)habe letztlich die Namen dieser 48 Arbeiter freigegeben. Wir haben uns natürlich mit dem Personalchef und den Betriebsräten in Kapfenberg abgesprochen. Also jeder einzelne dieser 48 kann noch politisch einsichtig werden. Denn die Kapfenberger können natürlich keine Arbeitsplatzabsicherung für diese 48 für ewig versprechen und in Kapfenberg gibt es ja nur Eine Gewerkschaftsliste, die Sozialistische. Sie werden jetzt einmal schauen dass diese 48 irgendwo bei ihnen unterkommen. Ich hoffe auch, dass diese Versetzungen den Arbeitern in unserem Standort bewusst machen, in welcher schwierigen Lage wir uns befinden. Und sie den Ernst der Lage erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jeder Autor muss die Sprache seiner Gesellschaft übernehmen oder er kann nicht sprechen.

Ein Lesebuch österreichische Arbeiterliteratur ist erschienen, mit Texten von Walter Buchebner, Alfred Hirschenberger, Erich Zwirner, Werner Lang, Michael Scharang u.s.w.