Werner Lang: Arbeitswelten in Bild und Wort.

Heimo Gruber

Rezension von Werner Lang: Arbeitswelten in Bild und Wort

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Werner Lang ist als Autor ein Stiller im oftmals geräuschvollen Literaturbetrieb.
Er kommt aus Betrieben, in denen die Geräusche von Maschinen und Werkzeugen nicht selten so laut sind, dass sie alle menschlichen Äußerungen übertönen. Er kämpft mit Worten dagegen an. Seine jahrzehntelangen Erfahrungen in der industriellen Arbeitswelt hat er zu Literatur verdichtet, die sich nicht mit dem Ausdruck des sinnlich Empfundenen und Erlittenen begnügt. In Werner Langs Literatur werden darüber hinaus die Bedingungen von Lohnarbeit theoretisch reflektiert und in eine Begrifflichkeit gegossen, die ihre Herkunft und Bildung im Denken der marxistisch inspirierten Arbeiterbewegung erkennen lässt.
Einen Teil seines Schaffens hat er im vorliegenden Auswahlband Arbeitswelten in Bild und Wort zusammengefasst, der mit Grafiken und Collagen des vielseitig produktiven Werner Lang illustriert ist.
Vielfältig sind auch die Resultate seines Schreibens: Wenngleich Prosa den Schwerpunkt bildet, so versucht sich Lang auch in der Dramatik (Theater: Vor Ort S.34ff., Herzbluttheater „Aktion T 4“ Hartheimer Vergangenheits-Zukunfts-Spiel S.64ff.) und der Lyrik. Er nennt sie Beschädigte Lyrik, in der er die Gefühle bei der Wiederbegegnung mit der entfremdeten Heimat in Mürzzuschlag-Hönigsberg (Geheimatet S.80) ausdrückt und angesichts der verstorbenen Herkunftsfamilie Trauer und Erschütterung vermittelt (Lyrik S.80), weil die Rückkehr zu den Wurzeln für immer unmöglich geworden ist.
Überhaupt sind Beschädigungen ein Leitmotiv Werner Langs für die Zuordnung seiner Texte in die Kategorien Grundlegende Beschädigungen und Verinnerlichte Beschädigungen – es darf vermutet werden, dass hier auch das persönliche Trauma eines schweren Arbeitsunfalls einfließt, dessen Verletzungsfolgen ihn in die Frühpension zwangen.
Werner Lang thematisiert Arbeitsabläufe und Arbeitsleid, wenn er über den Verkauf von Arbeitskraft (Wie verkaufe ich meine Zeit S.10ff.) oder über den erzwungenen Arbeitsplatzwechsel an einen anderen Firmenstandort (Mündliche Mitteilung vom Betriebsratsobmann an Ersatzbetriebsrat S.78ff.) schreibt und auch hier wählt er verschiedene Ausdrucksformen: Opfer der Produktion (S.6ff.) wird als Sprechtext eines Arbeiterdichters in Brecht’scher Manier und lehrstückhaft vorgetragen und der stille Tod am Arbeitsplatz wird sowohl aus äußerer Sicht (Am Tag als Ganglbauer sitzen blieb S.62) als auch in Form eines inneren Monologs (Zehn Minuten im Kopf von Ganglbauer S.63) betrachtet.
Anhand einer Mülldeponie abgehandelte ökologische Fragen (Lieber Löffel! S.70ff.), der Rechtspopulismus der FPÖ (Stammtischanalysen S.60f.) und eigene Erfahrungen Langs auf einer Baustelle der VOEST-Alpine-Montage in Weißrussland (Reisebericht S.32f.) haben ebenso Eingang in den Sammelband gefunden, als dessen Höhepunkt die Erzählung Stramms letzte Liebe (S.14ff.) gewertet werden kann: Ein großartiger, beeindruckender und berührender Text mit autobiografischen Elementen.
Für Arbeitswelten in Bild und Wort muss Werner Lang herzlichst gedankt und ihm persönlich gewünscht werden, seine Literaturproduktion ungebrochen fortsetzen zu können. Er verkörpert eine Stimme, die mehr Aufmerksamkeit verdient.

Heimo Gruber

 

Jeder Autor muss die Sprache seiner Gesellschaft übernehmen oder er kann nicht sprechen.

Ein Lesebuch österreichische Arbeiterliteratur ist erschienen, mit Texten von Walter Buchebner, Alfred Hirschenberger, Erich Zwirner, Werner Lang, Michael Scharang u.s.w.