Zu Stramm

 

Dieser eher schmale Band, genannt Repetitive Erzählung, von Werner Lang, der sich seit Jahren mit der Arbeitswelt mit seinem Schreiben befasst, ist in der trockenen Erzählweise des Autors durchaus geeignet, bei Leserinnen und Lesern, die sich mit der Arbeitswelt, im speziellen mit der Situation der körperlich tätigen Mitarbeiter, noch nie befassen mussten, Erstaunen bis zum Ent-Setzen auszulösen. Die Arbeit in den Großbetrieben der Mur/Mürzfurche war in den Jahren vor der teilweisen Privatisierung für die Arbeiter schrecklich, die Bedingungen, die Sicherheitseinrichtungen veraltet, die Hallen dunkel und völlig verschmutzt, wie sie der Rezensent aus eigener Anschauung kennenlernte.

 

Teilweise fielen viele der Betriebe auf Grund der früheren Eigentümer nach 1945 an die sowjetische Besatzungsmacht, die die modernen Verarbeitungsmaschinen nach Russland abtransportierten, andere konnten schon 1945 rechtzeitig verstaatlicht werden. Erst mit dem Marshallplan ab 1949 kamen US-Überschuss-Maschinen, Walzwerke etc., die in der Kriegsproduktion gebraucht worden waren, nach dem Osten von Österreich, freilich hatten sie keinen modernen Standard, womit eine wenigstens geringfügige Produktivität nicht erreicht werden konnte, aber die so erzeugten Produkte waren für den Wiederaufbau in Österreich unabdingbar, die Preise wurden von oben festgelegt, sodass die Betriebe keine Gewinne machen und auch kaum investieren konnten.

 

Wir erleben in diesem Rahmen das Leben, hauptsächlich seine Arbeit, die Aussichtslosigkeit, aus diesen Verhältnissen in etwas höhere Positionen zu kommen. Ein angelernter Arbeiter, eben auch Hilfsarbeiter genannt, hat sich zu beugen und die Anordnungen auszuführen, das ist Alles. Eine Art Familienleben gibt es nur sehr eingeschränkter Form.

 

Werner Lang kreist mit seiner sich wiederholenden Erzähltechnik in innovativer Weise um die Situation des Stramm, womit Stramm nicht nur der persönliche Bericht aus einem Stahlwerk wird, sondern ein wichtiger Beitrag zur erzählenden Literatur der letzten Jahre ist.

 

Stramm von Werner Lang

 

Fotos Gue Schmidt

 

128 Seiten

 

TransferEdition, Wien 2017

 

ISBN-3-9503310-9-7

 

Hermann J. Hendrich, Februar 2018

 

 

 

Erhältlich bei: tarantel-wien@gmx.at

 

Jeder Autor muss die Sprache seiner Gesellschaft übernehmen oder er kann nicht sprechen.

Neues Buch von Werner Lang

"STRAMM"

eine Repetitive Erzählung, Wiederholende Beispielmonotone 

oder repetitive Arbeitserzählung.


… die Arbeit macht nichts … Arbeiter machen … E.A. Rauter


Literatur der Arbeitswelt Text: Werner Lang, Fotos: Gue Schmidt

Einladung zur Buchpräsentation

 

WERKL IM GOETHEHOF

selbstverwaltete kulturelle Freiräume

 

Fotoprojektionen, Lesung und Buchpräsentation von der Erzählung "Stramm" .

 

Do. 3. Mai 2018, 19 Uhr: Donaustadt, Schüttaustraße 1, 1220 Wien

 

Da liegt er nun

in der Intensivstation

mit seinen wichtigsten Dokumenten

neben sich

darin liest er seinen Namen

Werksarbeiter

und er weiß

wenn er jetzt seine Augen schließt

ist alles weg für ihn

ausgelöscht für immer

und so stirbt er

wie er gelebt hat

allein

mit seiner ersten und zugleich letzten Erkenntnis:

das "wir" ist die größte Lüge der Menschheit

dann macht er seine Augen zu

und sagt zum ersten mal:

Ich