Zur Gewinnlogik „Privater Wohnungsvergabe“

Auszug aus einem Gerichtsprotokoll unter vielen anderen

Zu Punkt 9 der Strafsache gegen Umnig, Erk, Bind.

Am 16. 3. 1990 besichtigte die schwangere minderjährige jugoslawische Staatsangehörige Dworschaka in Gesellschaft des Zweitangeklagten, Herr Erk, die Wohnung 1160 Wien, Brestelgasse 11/8. Svetalana gefiel die Wohnung. Sie erklärte gegenüber Erk, dass sie die Wohnung gerne anmieten würde. Sie sei jedoch bereits mit einem Vorkredit von S 70 000.- belastet. Überdies sei sie minderjährig und Jugoslawin. Erk erklärte gegenüber der Jugoslawin, dass die von ihr angemeldeten Bedenken unerheblich seien. Sie „werde locker einen neuen Kredit bekommen.“ Aus diesem Grunde unterfertigte Svetalana das Mietanbot. Die Miete und die Betriebskosten der Wohnung würde S 900.- monatlich betragen. Die zu entrichtende Ablösebeträge S 99 000.-. Als Übergabetermin wurde ihr der 23. 3. 1990 zugesichert. Nach Anweisung von Erk hatte sie am 19.3.1990 um 17.30 Uhr mit dem Geldbetrag von S 25 000.- im Büro der Firma IVP zu erscheinen. Sie unterfertigte aber nur das Anbot, weil sie in der Annahme war, sie werde von der Firma IVP den Differenzbetrag von S 25 000.- als Kredit vermittelt erhalten. Sie leistete am 19.3.1990 die vereinbarte Zahlung zu Händen des Erk. Er stellte eine Quittung „Provision“ über S 6000.- und eine Quittung mit der Bezeichnung „für Objekt“ über S. 19 000.- aus. Nachdem sich Erk mit Bind über das gesamte inkriminierte Geschehen abgesprochen hatte, forderte er Dworschaka auf, ins Versicherungsbüro „zur Broissl wegen der Schlüssel und des Kredites zu gehen“. Im Versicherungsbüro erhielt Dworschaka von der Frau Broissl nur ein Kreditantragsformular der Creditanstalt ausgefolgt. Sie wurde an eine VA Filiale verwiesen. Die VA Filiale gewährte aber Dworschaka keinen Kredit. Diese den Erwartungen des Erk und Bind entsprechende Tatsache teilte Dworschaka dem Erk mit. Er erklärte hierauf Dworschaka: „Sie müsse das Mietanbot stornieren.“ Obwohl in der Person der Dworschaka gar kein Stornierungsgrund vorlag, denn Erk hatte doch mit der Jugoslawin nur unter der Vorgabe kontrahiert, dass Dworschaka mit Sicherheit den Differenzbetrag von S 74 000.- erhalten werde, täuschte er gegenüber Dworschaka eine Schadenersatzplicht der Jugoslawin vor und wollte daraufhin eine Stornogebühr S 12 000.- behalten. In Unkenntnis der Tatsachen, dass Dworschaka gar keine Stornopflicht treffe, gelang es ihr, die Stornoforderung des Erk auf S 8 000.- zu reduzieren, so dass Dworschaka von den ihr an die Angeklagten Erk und Bind bezahlten Summe von S 25 000.- nur S 17 000,- zurückbekam.

 


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Ein Lesebuch österreichische Arbeiterliteratur ist erschienen, mit Texten von Walter Buchebner, Alfred Hirschenberger, Erich Zwirner, Werner Lang, Michael Scharang u.s.w.